Kooperations-Werkzeuge für Hof- und Vermarktungsgemeinschaften

12. Wie bleiben wir zukunftsfähig?

  • Arbeitsschritte

    Den Inhalt dieses Abschnitts können Sie → hier als Word-Datei herunterladen.

    Wieso ist die Beschäftigung mit dem Thema Zukunftsfähigkeit sinnvoll?

    Veränderungen und Entwicklung gehört zu den Grundbestandteilen unseres Seins. Entwicklung entsteht einerseits als Reaktion, z.B. um Fehler zu beheben oder umständliche Arbeitsabläufe zu verbessern. Diese Haltung haben wir in den letzten zweihundert Jahren weiter und weiter ausgebaut. Heute sind wir in der Lage, jede Situation, jeden Arbeitsablauf, jede Maschine, ja einfach alles vom Ursprung her zu gestalten, zu formen, nach unseren Vorstellungen in Funktion zu bringen. Wir leben zunehmend in der Haltung: „Nichts ist unmöglich. Wir haben alles im Griff und können es entsprechend gestalten“

    Das führt zu immer mehr Spezialwissen und komplexeren Verhältnissen, in denen der Einzelne in jedem Fall den Über- oder Durchblick verliert. Wer versteht heute noch umfassend, wie ein Laptop oder ein Handy oder ein Auto funktioniert?

    Aber auch im Großen werden die Verhältnisse immer komplexer, der Überblick geht verloren und die globalen Strukturen, z.B. im Kapitalsektor oder im Welthandel, sind nicht mehr zu verstehen.

    Diese Entwicklungen haben zur Folge

    • Da wir den Entwicklungsschritten nicht mehr folgen können müssen uns in vollem Vertrauen auf die „Experten“ verlassen.
    • Das Leben in „vollem Vertrauen“ stellt uns immer wieder hart auf die Probe. Wer ist nicht schon einmal an der umfangreichen Betriebsanleitung für ein neues Gerät gescheitert?
    • Wir können uns aber auf unsere Intuition, auf unseren gesunden Menschenverstand verlassen, der uns durch das Dickicht an technischen Herausforderungen leitet und wodurch wir unserem „vollen Vertrauen“ mehr Substanz zukommen lassen können.

    Entwicklung findet oft intuitiv, aus dem „Bauch“ heraus statt. In Gemeinschaften kann die intuitive Entwicklung einzelner Mitglieder zu Unstimmigkeiten führen, wenn man dazu nicht im regen Austausch ist. Hier wird die Unterschiedlichkeit im Hinblick auf Temperament, Prägung aus der Kinder- und Jugendentwicklung, dem Elternhaus, deutlich sichtbar.

    In Gemeinschaften will die Entwicklung aktiv betrieben werden.

    Entwicklung entsteht andererseits als Aktion, um Visionen, um Ziele zu erarbeiten.

    Es findet momentan möglicherweise ein Paradigmenwechsel statt, der vielleicht mit folgendem Bild beschrieben werden kann: Bis in unsere Zeit wird die Zukunft aus einem Bild der Vergangenheit gestaltet, von nun an will die Zukunft aus einem Bild der Zukunft gestaltet werden!

    Was steckt hinter diesem Bild? Was heißt das, ein Bild der Zukunft, eine Vision, zu erarbeiten?

    Wir dürfen alle unsere Fähigkeiten wie Denken, Eingebung, Einfallsreichtum, Ideenreichtum, unser Vorstellungsvermögen im freien Lauf zur Geltung kommen lassen. Wie sieht unser Traum von der Zukunft aus? Was heißt es in „gesunden“ Verhältnissen zu leben, eine „nachhaltige“ Landwirtschaft, eine „nachhaltige“ Organisation und Ökonomie zu gestalten. Wie sieht mein, wie sieht unser Bild für eine solche Zukunft aus?

    Wir sind frei, solche Bilder zusammenzutragen und in der Regel liegt die Begrenzung in uns, weil wir jede Idee, jeden Gedanken, alles sofort einer inneren Prüfung unterziehen, ob dies denn „überhaupt zu realisieren“ ist.

    Versucht euch diese Freiheit zu nehmen und versucht diesen inneren Kontrolleur in diesem Prozess in seine Schranken zu weisen.

    In welchen Situationen ist die Beschäftigung mit Zukunftsfähigkeit empfehlenswert ?

    Entwicklung ist ein fortlaufender Prozess. Eine Unternehmung, die sich ihre Entwicklungsziele in hervorragender Weise setzt und erreicht, ist vorbildlich. Es entsteht jedoch sehr oft ein großes „Loch“, wenn sie sich nach Zielerreichung nicht laufend neue Ziele setzt. Deshalb ist auch die Beschäftigung mit der Zukunftsfähigkeit ein laufender Prozess.

    Arbeitsschritte

    Im Folgenden wird auf fünf Entwicklungsthemen hingewiesen und der Bereich jeweils grob inhaltlich beschrieben. Im lebendigen Umgang mit der realen Wirklichkeit tauchen diese Themenbereiche in unterschiedlichster Färbung auf und werden auch in unterschiedlicher Intensität bearbeitet. Ein hilfreicher Hinweis aus der Praxis für den Umgang mit diesen Themen:

    • Zum Beispiel zu Beginn eines neuen Jahres nimmt sich die Gemeinschaft gezielt vor, aus einem dieser Themenbereiche eine konkrete Frage über einen begrenzten Zeitraum zu bearbeiten ( z.B. 6 Wochen und eine Stunde pro wöchentlichem Hofabend)
    • das Ergebnis dieser Bearbeitung kann seinen Niederschlag in der Veränderung eines Punktes unter „Was leitet uns?“ und/oder „Wie erreichen wir was wir wollen?“ finden.

    Grundlagenentwicklung

    Die biodynamische und biologische Landwirtschaft beinhaltet ebenso wie eine nachhaltig ausgerichtete Organisation mit flachen Hierarchien die Anforderung der Grundlagenentwicklung in sich. Aus der Erfahrung und der Erkenntnis bedarf es eines fortlaufenden Umgangs mit den Grundlagen. Als Beispiele für eine notwendige Grundlagenentwicklung kann aufgeführt werden:

    • Zukunftsbild unserer Höfe und Betriebe
    • Tierwohl, Tierzucht und Pflanzenzucht
    • Wie arbeiten wir zusammen?
    • Wie kommen wir zu neuen Eigentumsformen, Betrieben „die sich selbst gehören“?
    • ...

    Individuelle Entwicklung

    Ein gutes Bild ist: „Es gibt keine Unternehmensentwicklung ohne Entwicklung des Unternehmers“

    Fähigkeiten und Fertigkeiten, Gewohnheiten und Prägung, Stolz und Geltungsbedürfnis, es sind genügend Themen, mit denen wir uns als Individuen konfrontiert sehen, an denen wir uns individuell stoßen und an denen wir, jeder für sich, den Wunsch entwickeln, in eine Veränderung zu kommen. Genial, wenn es gelingt, an diesen Fragen selbst ernsthaft zu forschen, sich darüber aber in der Gemeinschaft ehrlich auszutauschen und voneinander zu lernen...

    Unternehmensentwicklung

    Alle Gemeinschaften, die ein Unternehmen jeglicher Art betreiben, stehen vor ungeahnten Herausforderungen wie sich z.B. die Leistungsfähigkeit der Unternehmung entwickelt.

    • Möchten wir immer weiter wachsen?
    • Wie „nachhaltig“ ist unsere Produktion?
    • Wie finden wir qualifizierte Nachfolger und Mitarbeiter?
    • Wo finden die „Alten“ ihren Platz am Hof und im Betrieb?
    • Welches sind unsere Energieträger von morgen?

    Netzwerkentwicklung

    Eine besondere Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung der Netzwerke, in die wir eingebunden sind.

    • Wie schaffen wir es, unsere Kunden stärker in unsere Betriebe einzubinden?
    • Wie gestalten wir die Zusammenarbeit mit den Partner auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene?
    • Wie arbeiten wir mit unseren Partner wie Lieferanten, Banken, Gemeinden usw. zusammen?
    • Wie sind wir in unsere Verbände (z.B. Bioverbände) und Organisationen (NGOs) eingebunden und gestalten sie mit?

    und zu guter Letzt noch eine sehr große Herausforderung für die Entwicklung:

    Die Schicksalsfrage

    Wenn das Leben kein Lotteriespiel ist, dann ist es kein Zufall, dass ich in meiner Gemeinschaft mit dem und jener zusammengekommen bin.

    • Was will das von mir, dass ich in dieser Gemeinschaft gelandet bin?
    • Was kann und soll ich gerade hier lernen?
    • Welche Herausforderungen dürfen dadurch bearbeitet werden, wollen in Entwicklung kommen?

    Eine Vielzahl von Entwicklungsfeldern, die oft in unterschiedlichster Schattierung auf uns zukommen und zu denen wir nur eine Andeutung geben wollen, wie sie uns im Alltag begegnen können.

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