Werkzeuge für landwirtschaftliche Kooperationen

Leitbild

Begriffsdefinitionen (diese sollen dem Verständnis dienen, die Begriffe müssen nicht trennscharf sein, der Umgang damit soll an die Bedürfnisse der Gemeinschaft angepasst werden):
Leitbild: eine kraftvolles, gerne herausforderndes mittel- bis langfristiges Zukunftsbild (ca. 5-10 Jahre), möglichst kurz und prägnant formuliert, das noch keine konkreten Ziele und Maßnahmen enthält.
Strategie: beschäftigt sich mit den Optionen, wie der Betrieb in Richtung des Leitbildes entwickelt werden kann. Es werden Mehrjahresziele (ca 3-5 Jahre) und Jahresziele vereinbart, und die Maßnahmen die wichtig sind um die Ziele zu erreichen.
Ziele: beschreiben was genau erreicht werden soll. Sie werden motivierend, konkret und messbar formuliert und enthalten einen Zeitpunkt an dem das Ziel erreicht sein soll. Die Planung von Zielen und Maßnahmen erfolgt in der Regel mindestens einmal jährlich im Rahmen der Jahresplanung.
Maßnahmen: aus den Zielen werden Maßnahmen zur Zielerreichung abgeleitet, diese beschreiben die Aufgabe, die Zuständigkeit und den Zeitpunkt der Erledigung.
Beispiel: → „Hofbeispiel 1“

 

Wieso brauchen wir ein Leitbild?

Ausgangspunkt jeder Unternehmensentwicklung ist eine Idee, aus der sich eine Unternehmensaufgabe ableitet, das "warum" und das "wofür" es uns gibt. Ein schriftliches Leitbild drückt diese Aufgabe aus und macht sie besprechbar.

Ein gutes gemeinsam erarbeitetes Leitbild hilft dabei,

  • eine gemeinsame Identität und ein gemeinsames Selbstverständnis zu schaffen
  • einer Gemeinschaft Orientierung in der Unternehmensentwicklung zu geben
  • eine Grundlage zu schaffen für die gemeinsame Strategie, für Ziele und Maßnahmen
  • ein Kommunikationsmedium nach außen zu sein, für was unsere Gemeinschaft steht.

Ziel ist es, ein gemeinsames Leitbild zu erarbeiten, das Basis Ihres gemeinsamen Schaffens im Betrieb ist. Grundlage sind alle Visionen, Wünsche, Träume, Ziele, usw., die in den Beteiligten der Unternehmung leben.

 

In welcher Situation ist es besonders wichtig am Leitbild zu arbeiten?

Dieser Prozess sollte angewendet werden,

  • bei Neugründung einer Gemeinschaft
  • wenn eine bestehende Gemeinschaft anstehende wichtige Entscheidungen nicht in angemessener Zeit im Konsens treffen kann, weil die Leitbilder der einzelnen zu unterschiedlich sind
  • wenn ein Leitbild über mehrere Jahre in der Schublade geruht hat und nicht mehr lebt
  • vor jedem Einstieg neuer Gesellschafter in eine Unternehmung

 

Wir empfehlen folgendes Vorgehen

  1. Zuerst ist wichtig zuzulassen, dass alles sein darf: Unkommentiert, nicht geprüft, ob zu realisieren oder nicht, ob groß oder klein. Alle Ihre Ziele, Visionen, Träume und Ideale sollen erfasst werden.
  2. Jeder für sich schreibt seine Ziele, Visionen, Träume, Wünsche auf Papier (Moderationskarte, große „Post it“, o. Ä.). Immer nur einen Punkt pro Papier und ohne Namen. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit für diese Zusammenstellung.
  3. Fixieren Sie diese Karten an einer Wand oder auf ein großes Papier und sammeln über einen Zeitraum von z.B. einer Woche.
  4. Wenn das Zusammentragen für Sie abgeschlossen ist, fangen Sie an damit zu arbeiten.
    1. Runde: Verständnis, verstehen alle, was mit den einzelnen Punkten gemeint ist? Nicht diskutieren, ob es Sinn macht oder möglich ist, zuerst geht es nur um Verstehen.
    2. Runde: Sortieren,
    • von strategisch langfristig ( z.B. Biologische Bewirtschaftung) bis operativ kurzfristig
    • von wichtig bis dringend
    • spielerisch, offen, im Prozess bleibend. Wenn sich herausstellt, dass ein Punkt an der falschen Stelle sitzt oder noch etwas fehlt, liegt es in Ihrer Freiheit, dies zu verändern. (Bei Bedarf Punkte zwei- oder mehrmals aufschreiben, weil sie an verschiedenen Stellen stehen sollten)
    • Wesentlich ist, dass Sie diese Schritte gemeinsam machen.
  5. Gliederung des Leitbildes in zwei Bereiche
    • Kernaussagen: Aussagen grundsätzlicher Art, langfristig, zentral wichtig für den Gesamtbetrieb. Aus diesen Aussagen wird in maximal 2-3 Sätzen - überschaubar, verständlich, knackig - das Kernleitbild formuliert. Es sollten kraftvolle Sätze sein, hinter denen alle Beteiligten stehen können.
      → „Hofbeispiel 1“ Punkt 1,2,3
    • Bereichsleitbild: Anschließend formulieren Sie zu jedem der wesentlichen Betriebszweige des Hofes 1-3 Leitbildsätze. Diese sollten ebenfalls kraftvoll, zukunftsorientiert, richtungsweisend für den Betriebszweig sein. Alle operativen Themen, also welche Ziele aus den Leitbildsätzen abzuleiten sind und wie Sie diese erreichen, werden in der nächsten Aufgabe bearbeitet: Strategie und Ziele
      → „Hofbeispiel 1“ Punkt 4,5,6,7

 

Beispiele

siehe unter → Beispiele

 

Mögliche Ergänzungen/Varianten

  • Visionscollage: Diese Methode eignet sich, um sich selbst für die eigenen Zukunftsbilder zu sensibilisieren und dabei auch das Unbewusste mit einzubeziehen. Man besorgt sich dazu einen Stapel Zeitschriften, sowohl Fachzeitschriften als auch Zeitschriften wie Spiegel über Bunte und Schöner Wohnen bis zu Reisezeitschriften. Wichtig ist, dass viele Bilder enthalten sind. Dann setzt man sich in gemütlicher Runde zusammen, jeder arbeitet aber alleine und versucht sich innerlich zu öffnen für eine positive Zukunft in ca. 10-15 Jahren und schneidet aus den Zeitschriften Bilder heraus die einen dabei ansprechen. Man versucht dies möglichst wenig mit dem Kopf zu machen, dabei sehr ehrlich mit sich zu sein und sich nicht von guten oder schlechten Artikeln oder persönlichen Hemmnissen ablenken zu lassen. Es können auch Schlagzeiten heraus genommen werden. Dafür nimmt man sich mindestens eine halbe Stunde Zeit Anschließend ordnet und klebt man die Bilder auf ein Blatt Papier (DIN A 3 bis DIN A 2, z.B ein halbes Flipchart-Papier) und ergänzt oder beschreibt ein evtl fehlendes Element. Dann stellt man sich die Bilder gegenseitig vor und schaut, welche persönlichen und betrieblichen Wünsche und Impulse sich in den Bildern zeigen. Manche Menschen bauen diese Methode auch fest in den Jahreswechsel ein, um mehr Klarheit über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche für das neue Jahr zu bekommen. Sie öffnet und weitet und arbeitet wie gesagt mit unbewussten Inhalten. Sie braucht immer einen anschließenden Prozess der Klärung, am besten gemeinsam mit Kollegen und Freunden, und der Verschriftlichung.
  • Leitbild nach GAB-Verfahren: Für größere Einrichtungen kann das Vorgehen anhand von Fragen und einem festen Ablauf sinnvoll sein. Die GAB-München hat einen Leitfaden erstellt, „Der Weg zum Leitbild“ von Michael Brater und Anna Maurus. Dieser kann gegen eine geringe Gebühr bestellt werden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Eine stark vereinfachte Darstellung der Fragen finden Sie hier. Link zu den Fragen GAB in weitere Materialien
  • Blickwinkel der Leitbilderstellung: Wir empfehlen, bei der Leitbilderstellung ganz von den eigenen Werten, Idealen und Wünschen auszugehen. Wem das schwerfällt, kann sich zu Beginn von folgenden Fragen anregen lassen. Link zu „Blickwinkel“ in weitere Materialien

 

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