Werkzeuge für landwirtschaftliche Kooperationen

Rhythmus und Inhalte der Treffen

Es braucht eine verpflichtende Vereinbarung, regelmäßige Treffen abzuhalten. Es braucht einen festen, unumstößlichen Zeitraum, der für alle Beteiligten passt. Die Treffen gelingen auf Dauer am besten, wenn sie vorbereitet sind, moderiert bzw geleitet werden, wenn Beschlüsse schriftlich festgehalten und die Umsetzung nachgehalten wird.
Siehe Beispiel → Betriebsversammlungen

Die Treffen gliedern sich in:

  1. Arbeitsbesprechungen (Schwierigkeitsgrad: relativ leicht)
    Dies sind tägliche oder zumindest regelmäßige (je nach Intensität der Zusammenarbeit) Besprechungen der Menschen in direktem Arbeitszusammenhang. In größeren Gemeinschaften können das verschiedene Teams sein (Stallteam, Gemüseteam etc). Themen: wer macht was, was braucht es dafür, wo benötigt es Unterstützung oder was nimmt Einfluss auf die Andern.
  2. Besprechung für strategische, allgemeine Fragen (Schwierigkeitsgrad: mittel)
    1. Daran sollten alle Gesellschafter und Verantwortliche einer Gemeinschaft mit den Lebenspartnern teilnehmen, in der Regel mindestens 2 Stunden pro Woche, viele Gemeinschaften machen das an einem festen Abend in der Woche
    2. Diese darf nicht für alltägliche operative Absprachen verwendet werden
    3. Es soll ein Protokollbuch für Beschlüsse geführt werden, die regelmäßig auf Erledigung durchgesehen werden
    4. Wenn es der Gemeinschaft möglich ist, eine/n aus ihrer Mitte als Gesprächsführer/in und einen als Protokollantin/en zu benennen, ist das ideal. Diese Aufgabe kann auch rotieren.
    5. Es braucht regelmäßige Treffen aller Verantwortlichen einer Gemeinschaft, aber möglicherweise zusätzliche strategische Treffen innerhalb der Verantwortungsbereiche (z.B ein gemeinsames Frühstück des Gärtnereiteams am Mittwoch Morgen)
    6. Ziele: Information über wichtige Geschehnisse und Entwicklungen, Diskussion und Entscheidung strategische Fragen, Beratung der Kollegen, Beschluss von Außerplanmäßigem, Erarbeitung von Leitbild, Strategie, Verabschiedung von Jahresbudget, Bewertung von BWAs/FiBu usw.
  3. Reflexion der Begegnung und Zusammenarbeit (Schwierigkeitsgrad: schwer)
    1. Dafür kann es zielführend sein, externe Begleitung in Anspruch zu nehmen, insbesondere in sozial angespannten Situationen
    2. Dient der Bewertung der Zusammenarbeit, um Bewährtes zu stärken und weniger Gelungendes oder Vermisstes zu verbessern bzw zu entwickeln
    3. Sollte regelmäßig zumindest einmal im Jahr gemacht werden oder bei Bedarf. Indizien für die Notwendigkeit einer Evaluation sind
      • über einen längeren Zeitraum wird die Begegnung mühsam, Gespräche verlaufen zäh und niemand freut sich darauf
      • einige Teilnehmer ziehen sich zurück
      • man hört sich nicht zu, man begegnet sich nicht auf einer Ebene, es gibt Koalitionsbildungen
      • man dreht sich im Kreis, findet nicht zu gemeinsamen Bildern und Beschlüssen
      • es hat sich Misstrauen gebildet und man redet nicht über die wirklich wichtigen Dinge
    4. Mögliche Themen
      • Gelingen die regelmäßigen Arbeitsbesprechungen, was ist zu verbessern?
      • Gelingt die strategische Arbeit? Kommen dabei die wirklich wichtigen Dinge zur Sprache? Wie können wir diese Arbeit verbessern?
      • Begegnen wir uns auf Augenhöhe? Bringen sich alle ihrem Wunsch gemäß genügend ein? Was sind unsere Bedürfnisse dahinter? Was lässt sich verbessern?
      • Stärken wir uns gegenseitig oder ziehen wir uns mehr runter? Wie lässt sich die Situation verbessern?
      • Hören wir uns gegenseitig aufmerksam zu, nehmen es auf und lassen uns bewegen von den Gedanken der Anderen? Wie verbessern wir unsere Gesprächskultur?
      • Findet vor Entscheidungen eine gute Bildgestaltung statt in der alle wesentlichen Gesichtspunkte erörtert werden? Treffen wir Entscheidungen zeitnah und in der Regel ohne Streit?
      • Werden Beschlüsse festgehalten und in der vereinbarten Zeit umgesetzt?
      • Sind unsere Beschlüsse nachhaltig, oder müssen wir oft nachjustieren?
      • Möchten wir weitere Begegnungsräume schaffen? Durch gemeinsame Aktionen oder auch konkrete Orte wie zum Beispiel bestimmte Plätze im Garten?
      • Funktionieren unsere gemeinsamen Mahlzeiten? Wer kocht dann wann und wo? Schaffen wir einen Ausgleich dafür der allen passt?
      • Wollen wir zusätzliche Rituale, wie Vorlesen von Sprüchen, kurze eigene Gedanken, das Feiern von Jahresfesten integrieren?
  4. Gemeinsame „geistige“ Arbeit
    • Durch gemeinsames Lesen und Besprechen z.B von Grundlagenwerken erlebt man andere Seiten der Kooperationspartner, lernt andere Seiten und Gemeinsamkeiten kennen und schätzen. Wenn es gelingt, wird sichtbar wie fruchtbar die gemeinsame Arbeit durch sich ergänzende Blickwinkel ist, und es entstehen Bilder für die gemeinsame Leitbildarbeit.
    • Geeignet ist z.B. grundlegender Literatur über biodynamische oder bio-organische Wirtschaftsweise
    • Hervorragend geeignet für gemeinsame „geistige Arbeit“ ist auch, dass z.B. zu jedem Hofabend eine/r sich vorbereitet mit einer Darstellung eines grundlegenden Themas, das sie/ihn sehr beschäftigt. Dies kann kurz und prägnant zu Beginn gemacht werden mit anschließendem kurzem Austausch darüber (ca.20-30 Minuten insgesamt). Durch diese Methode kann sich das Eigene einer Person zeigen, und dadurch das Verständnis und die Verbundenheit wachsen.

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begegnung und teamentwicklung
Foto: Anna Krygier

Begegnung und Teamentwicklung

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